Bildband und poetische Philosophie mit Werken der Künstlerin Felizitas:Immer und Texten von Matthias Thiele
Eine psychonautische und mythologische Reise des Psychologen und Schriftstellers Matthias Thiele entlang der Bilderserie „Die Befreiung. Schritt 1“ der Künstlerin Felizitas:Immer.
Erschienen am 16. Oktober. Erhältlich im Buchhandel und online.
Aus dem Buch:
„In vielen Menschen tobt ein alter Krieg. Ein Krieg mit tausend Gesichtern, in tausend Bildern. Der Krieg im Heimatland der Künstlerin, der Krieg ihrer und unserer Vorfahren gegen- und miteinander, der Krieg der Mächtigen gegen die Ohnmächtigen, der Krieg gegen die Frauen, die Kriege unserer Vorväter, die Tränen der Mütter um ihre Söhne, der Schmerz der Väter um ihre Töchter, der Krieg, der auf dem Schlachtfeld des Geistes von Priestern um die Seelen der Menschen geführt wurde, der Krieg, der immer eine Begründung findet, aber keine Berechtigung.
Der Schmerz der Vorfahren wird an die nachfolgenden Generationen weitergegeben, er verliert nur die Sichtbarkeit seiner Ursachen. Der Schmerz transformiert sich in Zorn, in Hass, in Melancholie, er konstruiert sich seine neuen Konflikte, erschließt sich neue Schlachtfelder.“
Zum Hintergrund des Buchs
Gefragt, was es mit diesem Buch auf sich hat, ist eine Antwort nicht leicht. Vielleicht: eine Mischung aus Kunst und Literatur, ein alchemistisches, hermetisches Herantasten – durch Bild und Wort – an fundamentale Themen unseres Lebens, an Schichten von mentalen Fremdkörpern, die den Geist verstellen, die uns unfrei, weil unklar machen.
Der Ansatz ist „jungianisch“, und damit eine Rückkehr an den Ausgangspunkt, der mich vor vielen Jahren ins Psychologiestudium trieb. Psychologie – wenn man sie nicht reduziert auf den universitären und klinischen Ansatz – ist vergleichbar mit den „Einweihungswegen“ der großen Weisheitstraditionen. Eine freie Psychologie integriert diese, kann sich öffnen für die Erfahrungen und Erkenntnisse ihrer Vorgänger. Sie weiß um parallele Wege, die genauso ans Ziel führen. Das Ziel? Entgegenständlicht sich immer mehr, je weiter man auf dem Weg voranschreitet.
Die Künstlerin ist Ärztin gewesen, Fachärztin für Psychiatrie. Enttäuscht von dem schulmedizinischen Ansatz, der kaum Erkenntnisgewinn bereitstellt, der die wesentlichen Fragen des Lebens nicht berührt, quittierte sie irgendwann ihren Job. Die Suche aber blieb. Ihre Bilder zeugen von den verzweifelten Fragen an das Leben, von den Tauchgängen in die Abgründe der menschlichen Psyche. Ähnlich ging es mir mit der landläufigen Psychologie: Zahlen, Datensätze, Messen, normierte Diagnosestellungen, „Sie bereichert sich an der Not der Menschen und steht in ethischen Fragen nicht höher als Schwarzmarkthändler nach einem Krieg, die für Brot Diamanten nehmen.“ (MT, Und im Abgrund wohnt die Wahrheit, Roman).
Wir verlangen Resultate. Erkenntnisse. Den Director’s Cut. Dieses Buch ist ein erster Schritt.
