Im Jahr 2012 erschien das Buch Tarot und die Kunst der Selbsterkenntnis im Phänomen-Verlag. Dem vorausgegangen waren drei Jahre Recherche, Forschung und Selbsterfahrung. Die Künstlerin Cornelia Starke begann etwa zeitgleich mit dem Entwurf eines Tarot-Sets im Stil „Konkreter Kunst“. Unser Ziel war es, den Tarot unter dem Blickwinkel moderner Wissenschaft zu verstehen, ihn also auch für die wissenschaftliche Psychologie diskursfähig zu machen.


Das Modell der psychogenetischen Felder (pgF)
Bereits die Symbolik der ersten zehn Karten stimmt auf verblüffende Weise mit den Entwicklungsmodellen der modernen Psychologie überein. Die restlichen Karten entsprechen den transpersonalen Entwicklungsstufen, wie sie im Vedanta, der buddhistischen und christlichen Mystik beschrieben werden.
Links die Karten 0-Der Narr bis VIII-Die Ausgleichung
Leider sind die Gemälde bisher nicht in Kartenform erschienen. Hier aber ein früher Entwurf, wie wir uns das Design des Sets vorstellen konnten:

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Während der Veröffentlichung und danach sind eine Reihe von ergänzenden Artikeln und Texten entstanden, welche die Methodik einer integralen Psychologie, das Modell der psychogenetischen Felder, aber auch eine Kritik der „Integralen Philosophie“ Ken Wilbers vorstellen:
Tarot – ein abendländisches Kulturgut mit integralem Potential
(Veröffentlichung in: Integrale Perspektiven, Heft 24, Febr. 2013)
In „Tarot und die Kunst der Selbsterkenntnis“[1] habe ich zu zeigen versucht, dass sich in den Großen Arkana des Tarot (jene geheimnisvollen 22 „Zusatzkarten“ mit archetypischen Motiven) ein implizites Entwicklungsmodell verbirgt, das erstaunlicherweise recht präzise dem integralen Modell entspricht. Die entsprechenden Belege dafür, Darstellungen des Vergleichsmaterials (z.B. des integralen Modells, aber auch der Modelle von Freud, Piaget, Gebser, Aurobindo, Timothy Leary u.a.) und Kartenbeschreibungen aus traditioneller und integraler Sicht finden sich dort zur Genüge. Doch der Wert einer Theorie zeigt sich unter anderem in ihrer Anwendbarkeit, oder wie Karl Popper es formulierte, in ihrer Potenz, Probleme zu lösen. Wenden wir uns also der Frage zu, wie wir den Tarot als abendländisches Kulturgut aus einer integralen Sicht nutzen können. … Weiterlesen
Eine integrale Annäherung an den Tarot
„Tarot und die Kunst der Selbsterkenntnis“ – Ein kurzer Überblick über die integrale Methodik
Das jetzt im Phänomen-Verlag erschienene Buch Tarot und die Kunst der Selbsterkenntnis ist das Ergebnis einer integralpsychologischen Studie. Was aber heißt „integral“?
Während pluralistisches Denken die eigene Perspektive für einzig wahr und gut hält, die anderen Perspektiven aber zumindest toleriert, versucht integrales Denken, die eigene Perspektive mit anderen Perspektiven in einem gemeinsamen (sinnvollen) Überbau aufgehen zu lassen. Voraussetzung dafür ist die Einstellung, dass andere Perspektiven genauso wahr oder falsch sein können wie die eigene und erst die Fusion oder Synthese all dieser Perspektiven einen umfassenderen Einblick in den Betrachtungsgegenstand ermöglicht. … Weiterlesen
Das Modell der psychogenetischen Felder (pgF)
Das Modell der psychogenetischen Felder – ein integrales Entwicklungsmodell auf der Basis menschlicher Erfahrungswelten
Das Symbolsystem des Tarots genießt, im Gegensatz etwa zum altchinesischen Yijing, kaum die Aufmerksamkeit wissenschaftlicher Untersuchungen. Der Grund könnte darin liegen, dass er im 19. Jahrhundert von den okkulten Strömungen und seit den 1960er Jahren von der New-Age-Bewegung vereinnahmt wurde. Aus Furcht um seine Reputation findet kaum ein Wissenschaftler den Mut, ihn zu seinem Untersuchungsgegenstand zu machen. Ein bedauernswertes Versäumnis, wie sich nun herausstellte.
Als Ergebnis einer umfangreichen Untersuchung, aus der das Buch „Tarot und die Kunst der Selbsterkenntnis“ hervorging, zeigte sich, dass es möglich ist, aus den Großen Arkana des Tarots ein umfassendes Entwicklungsmodell des Menschen abzuleiten; ein Entwicklungsmodell, das nicht kognitive Basisstrukturen, sondern für alle Menschen gültige psychogenetische Erfahrungsfelder als zentrale Entwicklungseinheiten beinhaltet. … Weiterlesen
Überlegungen zur „integralen“ Theorie Wilbers
Die Idee der prä/trans-Verwechslung ist eine elegante Lösung für ein Problem, das erst durch spezifische Stufentheorie-Modelle entstanden ist. Theorien vom Typus der Stufenmodelle ordnen die Wahrnehmung des (vermutlich) Wirklichen, um dessen Problem der mangelnden Verstehbarkeit zu lösen. Dabei entstehen durch die Lösungen neue Probleme, die nun auch gelöst werden müssen. Erst wenn der Problemstau groß genug ist, wird das Paradigma durch ein Tauglicheres abgelöst werden. Das Paradigma der Stufenmodelle hat seine Vorläufer in den christlichen theozentrischen Hierarchien, und wird von den Wissenschaften nahtlos seit Freud fortgesetzt. Wilber hat ursprünglich nichts anderes getan, als zwei verschiedene Stufenmodell-Ansätze miteinander zu verschrauben. Dabei entstanden aber neue Probleme, die nur gelöst werden konnten, indem das „integrale“ Modell (das ich nicht für integral halte) zu einem Theorie-Monster aufgebläht wurde. Und trotzdem stehen die Probleme im Raum. Wilber nahm anfänglich die westliche Entwicklungspsychologie und pfropfte auf die dort beschriebenen Stufen nun die transpersonalen Stufen, die von Sri Aurobindo beschrieben werden.
Transpersonalität ist ein allgemeinerer Begriff für die Erfahrungsbereiche, die das Ich zur Auflösung zwingen. Das kann auf zweierlei Arten geschehen: 1. Das Ich löst sich in einer unbewussten Identifikation mit nicht-persönlichen Sachverhalten (oder kollektiven Archtypen) auf. 2. Das Ich wird willentlich durch bestimmte Bewusstseinstechniken ausgeschaltet, um das Bewusstsein kontrolliert in überpersönliche Erfahrungsfelder einfließen zu lassen.
Aus dieser Quelle speist sich der Streit zwischen den noch auf Jung sich berufenden Forschern, wie etwa Stanislav Grof, die behaupten, dass die Archetypen des kollektiven Unbewussten transpersonal seien, während die sich am Yoga, am Vedanta und am Buddhismus orientierenden Forscher, etwa Wilber, den Archetypen nicht Transpersonalität, sondern Präpersonalität zuschreiben. … Weiterlesen