
Roman, 374 S., Phänomen-Verlag, 2022
Zora spricht:
“Mein Fleisch also. Ich reiße es mir aus dem Oberschenkel und gebe es in den Kessel, den Tristan über seinem alchemistischen Feuer an den Dreifuß gehängt hat. Ich weiß und er nicht. Dies allein ist der Unterschied zwischen uns beiden. Ich ahnte es, als er damals, vor vielen Jahren, in Andalusien in meinen Bus stieg. Und ich wusste es, nachdem wir tausend Kilometer miteinander gefahren waren. Ich gebe mein Fleisch hinzu, doch es wird seines sein, das verbrennt.“
Ein schwieriges Buch in Zeiten der Hypermoralität
Sehr allgemein gesprochen geht es in ZORA um Entfremdung. Die wesentlichen Figuren sind allesamt und auf sehr unterschiedliche Weise und auf unterschiedlichen Ebenen entfremdet, entwurzelt, haltlos trudelnd und auf verschiedene Weisen darum bemüht, ihrem Leben, ihrer Persönlichkeit und ihrem Handeln einen Sinn zu geben. Ihre Konturen gewinnen sie anfangs lediglich durch ihre passgenauen individuellen Obsessionen, welche die dröhnende Stille der Entfremdung lindern sollen, was allerdings nicht gelingt – nicht gelingen kann. Ähnlich wie David Foster Wallace über David Lynch sagte, werden Obsessionen hier im psychologischen Sinne zu Fetischen. Kein Fetisch kann tatsächlich das Gefühl innerer Entfremdung kompensieren, da er zwar manchmal knapp, aber dennoch den Kern des Sehnens verfehlt.