
Essay, 142 S., Phänomen-Verlag, 2024
Aus dem Vorwort:
Im Jahr 1957 schoss die Sowjetunion den ersten Satelliten, Sputnik 1, in den Orbit. Heute umkreisen Tausende von Satelliten die Erde, richten ihre Augen auf den Planeten, senden und empfangen Daten, messen, beobachten, leiten und spionieren. Der Beginn der Industrialisierung liegt kaum zweihundert Jahre zurück, über Dampfmaschinen, Telegraphen, Automobile, Flugzeuge führte der Weg zur Raumfahrt, zur Biotechnologie, zum Internet, zur Digitalisierung, zur AI. Die zunehmende Vernetzung der bisher einzelnen Technologien lassen diese zu einer Metamaschine verschmelzen.
Die Menschheit ist deren Urheberin und Gefangene gleichermaßen. Als wollte sie sich aus der Zumutung, Teil der Biosphäre des Planeten bleiben zu müssen, befreien, konstruierte sie sich dank ihrer Kunst- und Gestaltungsfähigkeit, griech. téchne, eine alternative Welt aus Technologien.
All dies wäre ohne eine kollektive Überzeugung der Machbarkeit und ohne die Phantasie von Visionären kaum möglich gewesen. Technologische Entwicklung, verstanden als das Ergebnis menschlicher gestaltender Tätigkeiten, bedarf einer bestimmten Vorstellungskraft, einer geistigen Vorwegnahme des Wünschenswerten. Und sie bedarf überdies einer metaphysischen Erlaubnis zur Selbstermächtigung und Emanzipation von seiner ursprünglichen biosphärischen Teilhabe.
Im ersten Teil dieses Essays wird der historische Weg dieser metaphysischen Selbstermächtigung nachgezeichnet, im zweiten Teil verschiedene Aspekte der gegenwärtigen Folgeerscheinungen des menschlichen Lebens mit und in der Maschine untersucht.